Keynote auf der ESTA-Konferenz: Herausforderungen und Chancen für unabhängige Geldautomatenbetreiber in Europa

Im Rahmen der ESTA-Konferenz am 12. Mai 2025 in Brüssel hielt Dr. Trojanus einen richtungsweisenden Vortrag zum Thema „Hindernisse und Chancen im IAD-Geschäft in Europa“

Keynote auf der ESTA-Konferenz: Herausforderungen und Chancen für unabhängige Geldautomatenbetreiber in Europa

Kersten Trojanus stellte in seinem Vortrag die maßgebliche Bedeutung unabhängiger Geldautomatenbetreiber (Independent ATM Deployers, IADs) für die Sicherstellung des Zugangs zu Bargeld heraus – insbesondere in Regionen, die von Filialschließungen und eingeschränkten digitalen Zahlungsoptionen betroffen sind.

Unabhängige Betreiber stehen vor massiven Herausforderungen

Dr. Trojanus skizzierte eine Reihe zentraler Herausforderungen, mit denen IADs aktuell konfrontiert sind. So erschweren steigende Betriebskosten und rückläufige Einnahmen aus Gebühren zunehmend die Aufrechterhaltung und den Ausbau von Geldautomatennetzen. Zudem beeinträchtigen regulatorische Vorgaben, die kostenfreie Abhebungen auf Basis von Interbankenentgelten (Interchange Fees) vorschreiben, die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Netzwerke erheblich. Darüber hinaus thematisierte Dr. Trojanus marktbezogene Fehlentwicklungen, insbesondere kartell- und wettbewerbsrechtliche Probleme im Zusammenhang mit großen Kartensystemen wie Mastercard und Visa, die unabhängige Betreiber benachteiligen können.


Dringender Regelungsbedarf auf EU-Ebene

Ein weiteres wesentliches Hemmnis stellt das Fehlen eines einheitlichen regulatorischen Rahmens für Geldautomatengebühren innerhalb Europas dar. Diese regulatorische Uneinheitlichkeit führt zu Unsicherheiten und ungleichen Wettbewerbsbedingungen für IADs in den verschiedenen Mitgliedstaaten. Auch aktuelle verbraucherschutzrechtliche Regelungen greifen nach Ansicht von Dr. Trojanus oftmals zu kurz, da sie die tatsächlichen Auswirkungen von Aufschlägen und Bankgebühren verkennen und so unbeabsichtigt sowohl Verbraucher als auch Betreiber benachteiligen.

Trotz dieser Herausforderungen sieht Dr. Trojanus zahlreiche Chancen, die Position der IADs im europäischen Bargeldversorgungssystem zu stärken. Er betonte die Notwendigkeit einer umfassenden, EU-weiten Regulierung – etwa durch die Einführung von PSD3, der Payment Services Regulation (PSR) sowie neuer Bargeldregularien –, um ein faires und stabiles Umfeld für sämtliche Geldautomatenbetreiber zu schaffen. Laufende Untersuchungen der Generaldirektion Wettbewerb (DG Competition) der Europäischen Kommission könnten zudem dazu beitragen, unlautere Marktpraktiken zu unterbinden.

Bausteine für tragfähige Rahmenbedingungen

Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen hob Dr. Trojanus hervor, dass neue Zahlungsinitiativen, wie die European Payments Initiative (EPI) und die mögliche Einführung eines digitalen Euro, zwingend eine nachhaltige Gebührenstruktur für Bargelddienstleistungen berücksichtigen müssen. Das Prinzip eines „universellen Einzahlungsrechts“ sollte ebenfalls in künftige Bargeldregulierungen aufgenommen werden, um allen Bürgerinnen und Bürgern in Europa einen unkomplizierten Zugang zu Bareinzahlungen zu gewährleisten.

Zur weiteren Stärkung der Branche regte Dr. Trojanus die Entwicklung gemeinsamer oder regulierter Geldautomatennetze sowie die Einrichtung einer europaweiten ATM-Arbeitsgruppe an, um die Zusammenarbeit und Innovation zwischen den Marktteilnehmern zu fördern.

Zusammenfassend beleuchtete der Vortrag von Dr. Trojanus auf der ESTA-Konferenz sowohl die aktuellen Herausforderungen als auch die bedeutenden Potenziale für unabhängige Geldautomatenbetreiber in Europa. Seine Empfehlungen zu regulatorischen Reformen, fairem Wettbewerb und verstärkter Kooperation sind essenziell, um den flächendeckenden Zugang zu Bargeld in einer sich wandelnden Zahlungslandschaft nachhaltig zu sichern. 

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